Vorderer Kreuzbandriss

 

Wo liegen die Kreuzbänder?

Das vordere und hintere Kreuzband stellen die wichtigste Bandverbindung zwischen Ober- und Unterschenkel dar. Sie ermöglichen auch das harmonische Bewegen dieser beiden Knochen gegeneinander. Das vordere Kreuzband stabilisiert den Unterschenkel nach vorne, das hintere Kreuzband nach hinten. Da sich diese beiden Bänder kreuzen, werden sie auch Kreuzbänder genannt.


Wie entsteht eine Kreuzbandruptur?

In den überwiegenden Fällen handelt es sich um Sportverletzungen, häufig ohne Fremdeinwirkung. Besonders häufig treten solche Verletzungen (Traumata) unter so genannten „Stop-and-Go“-Sportarten (z.B. Tennis oder Squash) und bei Mannschaftssportarten (z. B. Fußball, Handball oder Basketball) auf. Auch beim Skifahren – vor allem wenn der Tal-Ski nach außen dreht, der Körper aber über dem Berg-Ski fixiert bleibt – sind Rupturen des vorderen Kreuzbandes eine häufige Art der Verletzung.


Die Verletzung des vorderen Kreuzbands entsteht typischerweise durch einen Richtungswechsel. Häufig liegt eine Drehbewegungsstellung des Unterschenkels nach außen (Valgusbeugungsstress) oder eine Drehbewegungsstellung nach innen mit Varusbeugungsstressvor. Auch zu starke Streck- oder Beugebewegungen (Hyperextension beziehungsweise Hyperflexion) können ein Auslöser sein.


Das vordere Kreuzband ist ca. 10mal häufiger gerissen als das hintere. Zusätzliche Verletzungen des Meniskus, der Seitenbänder (verlaufen seitlich am Knie) und des Knorpels sind in ca. 80% der Fälle vorhanden. Die gleichzeitige Verletzung des Kreuzbandes, des Innenbandes und des Innenmeniskus wird auch „unhappy triad“ genannt.


Gerissenes vorderes Kreuzband

Symptome: Was verspürt der Patient


Oft verspürt der Patient beim Unfall ein Knall im Knie, als ob etwas „zerreise“. Das Knie schwillt in den meisten Fällen rasch an und verursacht Schmerzen. Oft ist das Knie so instabil, dass es kaum mehr richtig belastet werden kann.

Im späteren Verlauf hat der Patient oft das Gefühl, als sei das Knie v.a. beim Treppengehen oder raschen Drehbewegungen nicht stabil.

Diagnose 

 

Die klinische Untersuchung durch den Arzt ist wegen der Schmerzen und der Schwellung oft erschwert, so dass in den meisten Fällen eine Magnetresonanzuntersuchung (auch MRI genannt) notwendig ist. Bei der klinischen Untersuchung ist der sogenannte vordere Schubladentest (Lachmantest) von zentraler Bedeutung. Dabei wird die Verschieblichkeit des Unterschenkels nach vorne geprüft. Je mehr Verschieblichkeit besteht, desto instabiler ist das Knie. Im Alltag werden viele Kreuzbandverletzungen erst verspätet diagnostiziert und werden anfänglich oft als „Zerrung“ beurteilt.


Vorderer Schubladentest

Was bedeutet eine Kreuzbandruptur für das Knie?

Eine Kreuzbandruptur kann nicht heilen. Durch den Wegfall des wichtigen Stabilisators des Knies kann dieses zunehmend instabil werden. Können die Hilfsstabilisatoren (Muskeln, Seitenbänder, Kapsel, Meniskus) dies nicht kompensieren, kommt es zum Wegknicken (sog „giving way) des Knies., Dadurch kommt es zur zunehmenden Schädigung des Meniskus und des Knorpels. Die Spätfolge kann eine frühzeitige Arthrose sein.


Behandlung

Bei der frischen Verletzung steht die Schmerzreduktion im Vordergrund (Schiene, abschwellende Medikamente, frühzeitige Physiotherapie). Die Physiotherapie sollte die Hilfsmuskulatur des vorderen Kreuzbandes konsequent auftrainieren.


Die weitere Behandlung richtet sich nach den sportlichen Aktivitäten und den Nebenverletzungen: Liegt z.B. zusätzlich eine eingeschlagene Meniskusverletzung vor, die das Knie blockiert, so ist eine frühzeitige Operation zu empfehlen.

In den meisten Fällen warten wir mit einem operativen Eingriff bis zum Abklingen der Entzündungsphase und Wiedergewinnung der Beweglichkeit des Knies (ca. 4 - 8 Wochen).

 

 

Müssen alle Kreuzbandrupturen operiert werden?

Nein! Patienten mit geringen sportlichen Aktivitäten oder solche, die mit einer ausgezeichneten Muskulatur das Knie genügend stabilisieren können, benötigen u.U. keine Operation. Es empfehlen sich jedoch regelmässige Stabilitätskontrollen.

 

 

Wie wird heute das Kreuzband operiert (Technik)?

 

Prinzipielles

Die Operation wird heute arthroskopisch, d.h. in der Knopflochtechnik durchgeführt.

Das gerissene Band wird heute durch körpereigene Bänder ersetzt. Künstliche Bänder werden nicht mehr verwendet.

 

Die 3 möglichen Ersatzbänder sind:

  1. Die Semitendinosus- und Gracilissehne (diese beiden Sehnen verlaufen nebeneinander an der Innenseite des Knie nach hinten an den Oberschenkel). Entweder wird nur die Semitendinsosussehne verwendet, oder sonst zusätzlich die Gracilissehne.

  2. Das mittlere Drittel der Patellarsehne (verläuft unterhalb der Kniescheibe).

  3. Die Quadricepssehne (verläuft oberhalb der Kniescheibe).

     

    Die Semitendinosus-und Gracilissehne sind die am häufigsten verwendeten Bänder.


Semitendinosussehne

Die Operation

Die Operation findet meistens in Teilnarkose (Spinalanästhesie) statt, nur selten in Vollnarkose. Der Patient kann, falls gewünscht, die Operation am Monitor mitverfolgen.

Zuerst wird eine Arthroskopie des Knies (Kniespiegelung) durchgeführt, dabei werden insbesondere auch Nebenverletzungen, v.a. Meniskus behandelt, ggf. genäht oder teilreserziert.

Anschliessend wird die Semitendinosussehne entnommen. Dazu benötigt man einen kleinen Hautschnitt von 4 cm Länge auf der Innenseite des Knies. Die Sehnen werden durch den Assistenten gereinigt und so gefaltet, dass ein Sehnenersatz von 8-10mm Durchmesser entsteht

Da Ersatzkreuzband wird in arthroskopischer Technik mittels eines Kanals ins Knie eingebracht und dann verankert. Die Verankerung erfolgt mit resorbierbaren Laktid- (“Zuckerschrauben“), Hydroxyapatitschrauben und Endobutton.


Einziehen des Kreuzbandersatzes durch einen kleinen Bohrkanal

Seitliche Ansicht des Ersatzbandes

Eine Kreuzbandoperation dauert ca. 60 - 90 Minuten.

 


Nachbehandlung

  • Am Abend nach der Operation sollte der Patient das erste Mal aufstehen. Am nächsten Morgen wird ein Verbandswechsel mit Entfernung der Drainage-schläuche gemacht. Anschliessend beginnt die Betreuung durch die Physiotherapeuten mit abschwellenden Massnahmen und Aufbau der Muskulatur.

  • Der Spitalaufenthalt ist i.R. 2 - 5 Tage

  • Eine automatische Bewegungsschiene (Kinetec-schiene) benützt der Patientin selbständig, ca. 3-5 mal pro Tag 30-45 Minuten

  • Die Hautnähte werden zwischen 12 und 14 Tagen nach der Operation durch den Hausarzt enfernt.

  • Eine Teilbelastung mit Stöcken ist in den ersten 3 - 4 Wochen notwendig. Die volle Streckung sollte möglichst erreicht werden. Die Beugung ist in den ersten 2 Wochen auf 90° begrenzt.

  • Muss gleichzeitig der Meniskus genäht werden, so darf der Patient während 4 Wochen nur 40° beugen.

  • Nach 6 - 8 Wochen sollte mit dem Velofahren (Hometrainer) begonnen werden.

  • Risikosportarten (Ski, Fussball) sind nach 8-10 Monaten wieder möglich. Profisportler beginnen allerdings schon nach 6 Monaten, haben jedoch vorgängig ein intensiveres Aufbautraining.