Das künstliche Hüftgelenk

 

Heute ist die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes eine Routineoperation. Trotzdem braucht der Operateur viel Erfahrung, um für den Patienten die besten Resultate zu erzielen; es gilt die Vielfalt der verfügbaren Materialien, Prothesentypen, Zugangswege und vieles mehr zu berücksichtigen. Die Prothese sollte schliesslich den spezifischen Ansprüchen und Bedürfnissen des Patienten genügen. 

 

Wie lange hält eine Hüft-TEP (Hüft-TotalEndoProthese)?

 

Eine Prothese sollte heute 10-20 Jahre halten, wobei folgende Punkte die Lebensdauer begünstigen:

 

  •   Verzicht auf gelenksbelastende Sportarten wie Ski fahren oder längeres Joggen
  • Gelenksschonende Sportarten wie Schwimmen, Velo fahren, Wandern
  • Gute Rehabilitation und guter Muskelaufbau
  • Sorgfältige Planung der Biomechanik der Hüfte (bei genauer Passform der Gelenkflächen vermindert sich der spätere Prothesenabrieb)
  • Erfahrung und Können des Operateurs

 

Dennoch hat eine Prothese eine begrenzte Haltbarkeit. Bei fachgerechter Operation beträgt die Lebensdauer einer Hüft-TEP 10-20 Jahre, in manchen Fällen sogar 25 Jahre oder länger.

 

Für Patienten, welche jünger als 60 Jahre oder sogar jünger als 50 Jahre sind, braucht es angepasste Prothesenformen, die den altersentsprechenden Belastungen angepasst sind. 

Abriebarme Materialien vermindern zudem die frühe Lockerung der Hüft-TEP.

Verwendet man Prothesen mit einem kurzen Schaft, bleibt der Oberschenkelknochen weitgehend erhalten und steht später einer allfällig notwendigen Wechseloperation zur Verfügung.

 

Vor der Operation die Heilung begünstigende Faktoren:

  • Mindestens 3 Wochen vor der Operation Sport und Bewegungstherapie
  • Nährstoff-, vitamin- und eiweissreiche sowie hochwertige Lebensmittel
  • Alkoholstopp
  • Nikotinstopp
  • Verminderung von Süssigkeiten und Kohlenhydrate
  • Vorbereitung und Planung der Rehabilitation (Reha-Aufenthalt, Physiotherapie)

Diese Faktoren, insbesondere aber die sanfte Bewegungstherapie 2-3 Wochen vor der Operation, fördern die Durchblutung und Revitalisierung der Gewebe und unterstützen so eine komplikationsfreie Wundheilung nach der Operation.

 

 

Minimalinvasive Operation = gewebeschonende Implantation der Hüftprothese (MIS)

 

Minimal invasiv heisst nicht einen möglichst kurzen Hautschnitt zu machen, sondern die Gewebe schonend zu behandeln und möglichst keine Muskeln ablösen oder durchtrennen.

 

Vorteile der minimalinvasiven Hüft-OP

 

  • Weniger Schmerzmittel nach der OP
  • Schnellere Mobilisierung
  • Weniger chronische Hüftschmerzen nach der OP
  • weniger Komplikationen
  • geringere Narbenbildung
  • auch für beleibte Patienten geeignet
  • keine Durchtrennung von Muskeln, die nach der Implantation wieder angenäht werden müssen

 

 

Wichtige Punkte während der Operation für eine stabile, schmerzfreie Hüftprothese sind:

 

  • exakte Wahl von Schaftlänge und Durchmesser der Hüft-TEP
  • korrekte Einstellung der Muskelvorspannung
  • physiologische Geometrie von Hüftkopf und Hüftpfanne
  • genauere Einstellung der Beinlänge

 

Die minimalinvasive Operationstechnik und die Vielfalt an Prothesetypen verlangen eine hohe Spezialisierung des Operateurs. Diese Technik schont den Patienten, da dadurch weniger Weichteilverletzungen als bei einer konventionellen Hüftoperation entstehen.

 

 

Aufbau und Funktion einer Hüftprothese

  

Die Hüftprothese besteht aus mehreren Komponenten und ersetzt die knöchernen Teile des Gelenkes: den Hüftkopf (Femurkopf) und die Hüftpfanne (Acetabulum).

 

 

Der Schaft der Prothese verankert das Kunstgelenk im Oberschenkelknochen. Der Kopf der Prothese bildet die Gleitfläche der Hüftprothese. Eine Gleitschicht aus Polyethylen oder Keramik verbindet als Inlay die Hüftpfanne, welche im Beckenknochen verankert wird, mit dem Oberschenkelknochen.

 

 

Der Operateur verankert also die Hüftprothese fest im Oberschenkel- und im Beckenknochen. Nur so kann die Beweglichkeit der Hüfte wiederhergestellt werden. Die Prothese muss zwei wesentliche Funktionen optimal erfüllen:

 

Sie muss einen festen Sitz im Skelet aufweisen und die Prothesekomponenten (Hüftkopf und Hüftpfanne) müssen beweglich sein.

 

 

Anforderungen an das Material der Hüftprothese:

  • Korrosionsbeständigkeit
  • Abriebfestigkeit der Gleitpaarung
  • Verträglichkeit der Materialien
  • Widerstandsfähigkeit gegenüber Druck und Gewicht

 

Die Prothesen werden hauptsächlich aus zwei Materialien hergestellt:

  • Zementierte Prothesen bestehen häufig aus einer Chrom-Molybdän-Legierung
  • Einwachsende Hüft-TEPs bestehen meist aus einer knochenfreundlichen Titanlegierung, welche dem Knochen gute Voraussetzungen zum Einwachsen bieten.

Zwischen dem Kopf der Hüftprothese und der Hüftpfanne braucht es als Ersatz für den Knorpel eine Gleitschicht sog. Gleitpaarung, welche aus verschiedenen körperver-träglichen Materialien besteht. Sie soll trotz hoher Belastung die Beweglichkeit während 15-25 Jahre sicherstellen und als Gleitfläche unversehrt bleiben.

 

Welche Prothese ist für welchen Patienten geeignet?

 

 

Die Hüftprothesenimplantation ist eine sehr komplexe Operation. Die korrekte Positionierung der Prothese aufgrund der anatomischen und medizinischen Gegebenheiten des Patienten erfordert viel Erfahrung. Dies ist auch der Grund, weshalb bewährte Prothesenmodelle und Operationsmethoden möglichst lange verwendet werden. So erhält man die grösst mögliche Sicherheit, dennoch kann nicht ein Prothesetyp oder eine Operationsmethode allen Patienten gerecht werden.