Coxarthrose = Hüftgelenksarthrose

Hüftarthrose durch Knorpelverschleiss

Der Knorpelverschleiß der Hüfte, die sogenannte Coxarthrose (=Hüftarthrose), ist eine weit verbreitete Erkrankung. Viele Menschen leiden im Lauf ihres Lebens unter Hüftbeschwerden durch eine Coxarthrose, denn sie ist mit der Kniearthrose die häufigste Form der Arthrose.

 

Abb 1 Links gesunde Hüfte, rechts Coxarthrose
Abb 1 Links gesunde Hüfte, rechts Coxarthrose

 

Typische Beschwerden und Symptome:

  • Leistenschmerzen
  • seitliche Schmerzen an der Hüfte
  • tief sitzende Schmerzen an der Lendenwirbelsäule
  • Knieschmerzen (können sogar einziges Symptom sein)
  • frühe Krankheitssymptome sind morgendliche Anlaufschmerzen und Belastungsbeschwerden
  • bei der fortgeschrittenen Arthrose oft Ruheschmerzen und Nachtschmerzen
  • Verringerung des Bewegungsumfangs des Hüftgelenks (Probleme beim Schuhe anziehen/Sitzen in der Hocke)
  • verminderte Gehstrecke

 

Andere Ursachen von Leistenschmerzen

 

Wichtig ist hierbei, nicht nur orthopädische Leiden zu berücksichtigen, sondern auch eine Vielzahl anderer Ursachen auszuschließen. Erkrankungen im Inneren des Beckens, im Bauchraum oder sogar Nerven- und Gefäßstörungen können ebenfalls Beschwerden verursachen.

 

Häufig kommt es auch zu Überschneidungen von Krankheitsbildern und Symptomen aus unterschiedlichen Fachgebieten. Speziell bei Erkrankungen aus dem rheumatischen Bereich sollte dies sorgfältig untersucht und geprüft werden. 

 

Ursache der Arthrose

 

Es sind weit mehr als hundert verschiedene Ursachen für eine Hüftarthrose bekannt. Man kann die Coxarthrose nach weitgehend unbekannter Ursache (=primäre Coxarthrose) und Arthrosen nach bestimmten Grunderkrankungen (=sekundäre Coxarthrosen) wie bei gewissen rheumatologischen Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, angeborene Formveränderungen, Unfallschäden, Stoffwechselstörungen, genetische Erkrankungen etc. unterscheiden.

 

Diagnose

 

Die Diagnose kann durch die geschilderten Beschwerden, durch die klinische Untersuchung des Orthopäden sowie durch eine Röntgenuntersuchung festgestellt werden. In gewissen Fällen führen wir zusätzlich eine MRI (= Magnetresonaz) Untersuchung durch.

Abb 2 Links gesunder Femurkopf, rechts arthrotischer Femurkopf
Abb 2 Links gesunder Femurkopf, rechts arthrotischer Femurkopf

 

Behandlung

 

Die im Rahmen des allgemeinen Arthroseverlaufs der Hüfte entstehenden Beschwerden schränken die Lebensqualität zunehmend ein und benötigen eine Therapie.

 

Die Behandlung der Hüftarthrose hat hauptsächlich zum Ziel, die Schmerzen zu lindern, eventuelle Entzündungen im Hüftgelenk zu dämpfen und die Beweglichkeit der Hüfte zu erhalten. Behinderungen sollen minimiert und die Lebensqualität des Patienten trotz des Hüftverschleißes verbessert werden.

 

 

Nicht operative Massnahmen

 

Frühstadium der Hüftarthrose

 

Im Frühstadium der Coxarthrose kann der Patient selbst viel zum Verlauf der Erkrankung und der Verbesserung des Krankheitsbildes beitragen. Eine große Rolle spielt dabei die gründliche Aufklärung über die Krankheit und die Beratung über eine Änderung der Lebensgewohnheiten. Zielsetzung ist, mit einer vernünftigen Gelenkbelastung in Sport und Beruf und mit regelmäßiger, gezielter Gymnastik die Beweglichkeit der Hüfte und die Muskelkraft zu erhalten. Vor allem die deutliche Reduzierung von Übergewicht trägt erheblich zur Besserung bei: Schon eine Verringerung des Körpergewichts um 5-8kg bewirkt eine Senkung des Arthroserisikos.

 

Mittleres und spätes Stadium der Hüftarthrose

 

Bei mittlerem Stadium der Hüftarthrose werden Maßnahmen, Hilfsmittel und Geräte zum Schutz der Gelenke empfohlen.

 

Einfache, schmerzstillende Medikamente und Therapien mit modernen, magenfreundlichen Antirheumatika leisten gute Dienste. Die Schmerztherapie, mit und ohne Medikamente, schaltet dabei idealerweise die Schmerzursache aus. Moderne Antirheumatika beseitigen die Gelenkbeschwer-den, ohne belastend für den Organismus zu sein.

 

Physiotherapeutische Maßnahmen zur Linderung der Symptome oder eine spezielle Spritzentherapie kann ebenfalls erforderlich sein. Bei der physikalischen Therapie werden Muskeln und Beweglichkeit gestärkt. Lokale physiotherapeutische Anwendungen sind wichtige nichtmedikamentöse Komponenten, welche die Schmerzen lindern, den Stoffwechsel anregen und Entzündungen abbauen. Fehlstellungen von Hüftgelenken und Situationen mit Fehlbelastungen (längeres Stehen, Knien oder Hocken) lassen sich durch gezieltes Training bessern. So entsteht im Alltag ein bewussterer Umgang mit Bewegung und die Patienten lernen, ihre Hüftgelenke so gut wie möglich zu schonen. Zusätzlich lässt sich auf diesem Weg häufig eine Besserung von Schmerzen, Steifigkeit und anderen Symptomen erzielen.

 

Orthopädietechnische Maßnahmen wie Schuhzurich-tungen, Entlastungshilfen, Gehstützen, Bandagen und Orthesen entlasten und unterstützen die Therapie.

Darüber hinaus können im Rahmen einer medikamentösen Therapie abschwellende, schmerzlindernde und entzündungshemmende Stoffe eingesetzt werden. Bei Knorpelschäden eines noch relativ geringen Grades werden alternative Methoden zur Bildung von Ersatzknorpelge-webe angewendet.

 

 

Operative Massnahmen

 

Führen nicht operative Massnahmen zu keiner Besserung, so muss auch eine operative Massnahme in Betracht gezogen werden.

 

Hüftarthroskopie

 

Lokal begrenzte Knorpelschäden lassen sich u.U. durch eine Hüftarthroskopie verbessern. Dabei werden minimal invasiv lose Knorpelstücke entfernt und der aufgeraute, zerrissene Knorpel geglättet, ev. sogar ein Mikrofrakturing durchgeführt. Das zusätzliche Auffüllen von Knorpeldefekten mit körpereigenem Ersatzgewebe ist noch in der Entwicklungsphase.

 

Umstellungsosteotomie

 

Die Korrektur von Achsfehlstellung durch Umstellungsosteotomien bei begrenzten Gelenkschädi-gungen können eine deutliche mechanische Entlastung erreichen. Dies ist besonders bei Hüftfehlformen (Dysplasie) der Fall.

 

Kunstgelenk

 

Bei weit fortgeschrittener Gelenkzerstörung kommt die Hüftendoprothetik (Kunstgelenk der Hüfte) zum Einsatz.

 

Abb 3 Links arthrotisches Hüftgelenk, rechts nach Einsatz einer Hüftprothese
Abb 3 Links arthrotisches Hüftgelenk, rechts nach Einsatz einer Hüftprothese

 

Moderne Materialien und schonende (minimal invasive) Operationszugänge sorgen für eine möglichst geringe Belastung durch die Operation und gute Langzeitergebnisse.

 

Die minimal invasive Technik (MIS) bedeutet nicht einen möglichst kurzen Hautschnitt zu machen, sondern die Gewebe während der Operation zu schonen (v.a. die Muskulatur sollte nicht abgelöst oder verletzt werden).

 

Durch den künstlichen Gelenkersatz werden der natürliche Bewegungsablauf und damit die Funktion des Gelenks wiederhergestellt und die Schmerzen beseitigt. Die neue Prothesengeneration macht sie sogar für jüngere Patienten attraktiv, die hohe Belastbarkeit und lange Haltbarkeit erwarten.

 

Wann ist es Zeit für eine Operation?

Der Zeitpunkt einer Hüftgelenksoperation hängt vor allem vom Leidensdruck des Patienten ab. Dieser ist gekommen, wenn schmerzbedingt die Lebensqualität stark eingeschränkt ist, zunehmend mehr Schmerzmittel benötigt werden, die schmerzfreie Gehstrecke spürbar abnimmt und wenn Sie dadurch nicht mehr in der Lage sind, Ihren Alltag in Beruf und Privatleben auf eine für Sie wünschenswerte Art zu bewältigen.

 

Zuwarten kann bedeuten, dass sich die Muskulatur aufgrund der Schonung des Gelenkes zunehmend verkürzt bzw. zurückbildet und dadurch ihre wertvolle Funktion verliert. Bei beidseitig fortgeschrittener Coxarthrose führen wir die Operation, wenn nötig in kurzen Abständen durch, jedoch nicht beide Hüften gleichzeitig in einer Operation.